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#2 Türkei - auf dem Weg nach Osten



Wenn man ohne Frühstück nicht gehen gelassen wird und es an jeder Tanke Tee gibt, ist man in der Türkei.

Wir genießen es, in diesem Land zu reisen. Es kombiniert allen Komfort, den man sich vorstellen kann (gutes Essen, gute und günstige Unterkünfte, gute Straßen wenn man will) mit zahlreichen Abenteuermöglichkeiten, Offroadpisten und sagenhaften Landschaften. Aber erst mal von vorn. Nachdem wir letztes Jahr aus Eile, Ost drang und vielleicht auch Angst vor dem Verkehr einfach an Istanbul vorbei gefahren sind, suchen wir uns diesmal vorher schon eine günstige und gute Bleibe in der Stadt, von wo aus wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum kommen können. Wir haben großes Glück denn schon das zweite Hotel hat eine Tiefgarage für unsere Motorräder und einen guten Preis. Von dort laufen wir zum nächsten Bahnhof wo wir den Zug ins Zentrum nehmen wollen. Dafür braucht man eine Istanbul Card, auf die man ca. 7,50€ einzahlen muss und nichts mehr auszahlen kann, aber was solls. In Augsburg kommen wir damit zu zweit jedenfalls nicht so weit. Falls ihr Bedenken habt, öffentliche Verkehrsmittel im Ausland zu nutzen, können wir die euch getrost nehmen: Mit Google Maps findet man sehr leicht heraus, wo die Haltestellen sind, welche Linie man nimmt und was die Fahrt kostet.



Gold, Süßes, Kleidung, Kunsthandwerk, Gewürze und Orient-Feeling

Als erstes ging es durch enge Gassen steil bergauf zum berühmten großen Basar. In unendlich vielen verwinkelten Gassen wird Ware aller Art angeboten, darunter sehr viel Gold und Süßigkeiten, von letzteren kaufen wir auch ein bisschen. Wir haben Glück dass der "überdachte Markt" (wie er wörtlich heißt) schon seit dem 15. Jahrhundert vor Sonne und Regen schützt. Denn während draußen ein Gewitter tobt, lassen wir uns von Düften, Stimmen und Farben verzaubern. Wir denken zurück an den Iran, wo wir in Tabriz einen riesigen Basar besucht hatten. Allerdings fuhren da Motorräder durch und wir waren so ziemlich die einzigen Touristen, während hier alles herausgeputzt ist und aus dem einst so günstigen Basar eine Touristenattraktion geworden ist. Trotzdem: Sowas muss man mal gesehen haben. Jedes mal denken wir uns, wie schade es ist, dass es keine Basare bei uns gibt.



Faszinierende Bauwerke

Nicht nur die Bosporus-Brücke verbindet zwei Kontinente miteinander, sondern auch die historischen Bauwerke verbinden Religionen und Kulturen. Die Hagia Sophia war mal christliche Kirche, dann Moschee und ist heute ein Museum. Auch die blaue Moschee ist beeindruckend und zieht Pilger, Einheimische und Touristen an. Mit dem nassen Asphalt und den grauen Wolken im Hintergrund sieht sie noch imposanter aus. Mit der Istanbul Card können wir auch die Fähre nutzen und steigen aus an eine Station in der Nähe der Bosporus Brücke. Selbst nach dieser Fähre Fahrt und den Zugfahrten hin und zurück haben wir noch knapp 4€ Restgeld auf der Karte. Für eine Hauptstadt ist Istanbul wirklich günstig. Hier mal beispielhaft unsere Ausgaben für den Tag: 7,50€ Istanbul Card, 29,50€ Hotel, 9€ sonstiger Einkauf, 7€ Essen gehen.



Wieder in Asien

Am nächsten Morgen fahren wir über die Berühmte Bosporus Brücke. Gleich danach fahren wir über eine andere große Brücke die wir bezahlen müssen, Richtung Süden. Nach der Brücke und dem ganzen Verkehr wollen wir etwas entspannter fahren und nehmen die Landstraße, die uns teilweise an der Küste entlang führt, teilweise durch Olivenhaine. Heute fahren wir etwa 200km und übernachten direkt am Meer in einer Hütte. Abends spazieren wir am Strand und genießen die Ruhe und die Wärme hier in Asien.



"Ölendes Federbein"

...haben wir in unserem Reisetagebuch notiert. Jetzt müssen wir uns eine Werkstatt aussuchen die sowas reparieren kann. Das ist keine leichte Aufgabe denn auch in Deutschland gibt es nur selten Firmen die Original Federbeine überholen. Mal schauen ob die Türken genauso verklemmt sind oder sagen wir mal so, ob sie mit der Nachhaltigkeit genau so weit kommen lassen haben, dass auch sie komplexe Bauteile wegschmeißen und nichts mehr reparieren. "Wenn die es in der Werkstatt nicht richten können, müssen wir uns ein neues schicken lassen", haben wir uns notiert. Bis jetzt habe ich keine Veränderung im Fahrverhalten gespürt, aber wenn es anfängt durchzuschlagen ist es dann zu spät. Soll ich es kurz machen? Wir sind mit dem gleichen Federbeinen bis in die Mongolei und zurück nach Augsburg gekommen. Dazu später mehr.



Endlich wird es heiß

Gleich über 40 Grad zeigt das Thermometer an, als wir völlig verschwitzt und genervt nach Stau in Izmir ankommen. 50€ für eine Nacht im Hotel? Niemals? Weiterfahren? Kein Bock mehr. Also handelt Samu das Luxushotel etwas runter und uns bleibt so genug Zeit, die schöne Stadt nach einer Dusche zu besichtigen. Hierher werden wir definitiv wieder kommen. Auch am nächsten Tag wird es touristisch aber vor allem sehr heiß. Schon von weiten konnte man Pamukkale als weißen Fleck erkennen. Nachdem wir durchgeschwitzt im Hotel ankamen mussten wir erstmal duschen. Dann gings zu Fuß zu Pamukkale. Es waren ziemlich viele Touristen da, vor allem aus Asien. Weiß. Schneeweiß. Es fühlt sich für uns absurd an bei dieser Hitze über "Schnee" zu laufen. Die Terrassen bei Pamukkale bestehen allerdings nicht aus Schnee, sondern aus Kalk. Auch wenn wir sonst oft touristische Orte meiden, so ein Naturschauspiel wollten wir uns wirklich nicht entgehen lassen und wir erinnern uns oft an die magische Landschaft zurück. Den Sonnenuntergang genossen wir mit der Türkischen Knuspermischung im Park in Begleitung von Hunden, Katzen, Vögel, Enten, Gänsen und Fischen.




Jetzt erst mal wieder fertig mit Tourismus - auf nach Osten!

... Und schon wieder anders als gedacht. Denn auf dem Weg nach Ankara halten wir wahllos in einem Dorf mit Pension, wo uns ein Flyer in die Hand gedrückt wird. Sivrihisar - nicht einmal auf Wikipedia gibt es besondere Infos zu diesem Ort. Allerdings wurde er anscheinend dem Philosophen Nasreddin Hoca gewidmet, denn im wunderschön angelegten Figurenpark sind Bilder zu seinen humorvollen Geschichten und Anekdoten zu bestaunen. Auch die Altstadt mit ihren Türmen und historischen Wohnhäuser beeindruckt uns wirklich und lässt uns fragen, wo denn die Touristen bleiben? So ein schöner Ort und scheinbar kein Interesse. Naja, besser für uns so. Denn so bleibt das Erlebnis authentisch, die Bewohner freuen sich über unseren Besuch und mein Haarschnitt kostet nur 2,50€.



Federbein

Die Sache mit dem ölenden Federbein lässt uns nicht in Ruhe, deswegen entscheiden wir uns, nach Ankara zu fahren und dort eine Werkstatt zu suchen, die uns vielleicht helfen kann. Wir finden gleich das Hotel, das wir ausgesucht hatten und bekommen sogar einen guten Preis, weil wir gleich zwei Nächte bleiben. Da es noch früh ist, fahren wir mit den Motorrädern zur ausgesuchten Motorradwerkstatt und lassen uns beraten. Der Meister meinte, dass sie das Federbein nicht reparieren können aber sie es nach Istanbul zu einer spezialisierten Firma schicken können und die kriegen es vielleicht dort repariert aber sicher ist das ganze nicht. Der Knackpunkt an der Sache war, dass das ganze mindestens vier Tage dauern würde, eine Menge Geld kosten würde und dass keiner uns sicher sagen kann ob es klappt. Die Lösung kommt aber doch vom Werkstattmeister, denn er meinte dass das Federbein noch nicht ganz kaputt ist und dass es mindestens 15000km sicher funktionieren würde. Bis jetzt habe ich, wie gesagt keine Veränderung in der Dämpfung gespürt, es war zwar ölig aber es tropft noch nicht und es dämpft bis jetzt ganz gut. Also verschieben wir das Problem erst mal nach Russland. Zu Mittag essen wir lustigerweise im gleichen Laden, wie letzten Jahr, weil er in der Nähe der kirgisischen Botschaft ist, die wir letztes Jahr besucht haben.



Ankara

Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus ins Zentrum um die Stadt etwas ausgiebiger zu erkunden. Zuerst liefen wir zum Antikabir, Atatürks immenses und gut bewachtes Mausoleum. Von dort aus gings zum Genclik Park, wo es Pide und Köfte zu Mittag gab. Die Stärkung war nötig, denn von dort an ging es steil Berg auf zur Ankara-Burg. Der Ausblick war beeindruckend und man konnte bedrohliche Wolken in der Ferne beobachten. Auf dem Weg dorthin fanden wir uns in einem authentischen Werksatt-Basar mit dem Schwerpunkt Metall/Leder wieder und beim Abstieg von der Burg schlenderten wir durch die schöne, touristische Altstadt. Dort wurden viele handgemachte Dinge verkauft und sie waren nicht überteuert. Dann liefen wir ins moderne Zentrum. Als Fußgänger muss man sich vor den Taxi Fahrern in Acht nehmen, die fahren wie verrückt. Im modernen Zentrum spazierten wir etwas umher und gönnten uns dann noch ein Eis. Zu Abend wollte ich im gleichen Laden wie gestern Corba essen, weil sie so lecker und billig ist. Der Besitzer lachte als er uns sah und plauderte etwas mit uns. Er hat 4 Jahre in Amerika gelebt. Zu Fuß und mit vollen Mägen liefen wir zum Hotel - nicht ohne auf dem Weg noch Baklava zu kaufen. Das war mal wieder ein richtig schöner Tag!



Islamic Hotel

Von Ankara raus ging es durch eine Steppenartige Landschaft Richtung Süden. Wie es in der Steppe so ist, weht der Wind kräftig. Bei der Mittags-Corba unterhalten wir uns mit einem Mann, der über 30 Jahre in Deutschland gearbeitet hat. In Konya angekommen , war es etwas schwierig mit der Hotelsuche. Fünf Hotels gab es gar nicht mehr und zwei wollten uns kein Doppelzimmer geben, weil wir nicht verheiratet sind: -Islamic Hotel- hieß es. Beim gefühlt zehnten Versuch klappte es doch und wir schaffen es noch in der Stadt was zu essen, bevor der Iftar (Fastenbrechen) für die Muslimen los ging. Konya ist aus unseren Sicht etwas konservativer, das aber nicht nur wegen dem Problem mit dem Doppelzimmer sondern man merkt sogar beim Spazieren in der Stadt, dass es weniger Touristen gibt und dass die Menschen ganz anders bekleidet sind als in Istanbul oder anderen Städten bis jetzt. Auch vor der großen Moschee gab es eine große Menschenmasse, die sich auf die Abendliche Iftar Zeremonie vorbereitete, das haben wir in keiner anderen Stadt bis jetzt gesehen. Ich habe gar nicht erwähnt das wir zur Ramadan Zeit unterwegs waren, aber bis wir in Konya angekommen sind, haben wir das fast nicht wahrgenommen.



Kappadokien

Wir sind endlich wieder in Kappadokien angekommen. Glücklicherweise ist der Campingplatz günstig, wenn auch nicht sehr gepflegt. Diesmal fiel uns viel stärker auf, wie touristisch alles ist und dass alles (vor allem die Ballon-Fahrten) total überteuert ist. Trotz allem genießen wir die Landschaft bei einer kleinen Wanderung und einem Spaziergang durch den Ort. Als wir abends noch einen Cay trinken wollten, konnten wir es kaum glauben: Wir trafen zum dritten mal das junge Pärchen aus Würzburg. Bis spät abends plauderten wir noch mit ihnen bei einem Cay.



Am nächsten Morgen etwa um 5Uhr wurden wir von fauchenden Geräuschen geweckt. Wir gingen raus aus dem Zelt und erschreckten, wie tief die Ballons über uns gleiten. Die Passagiere, meist Asiaten, das konnten wir von unten sehen, winkten uns als sie über unseren Campingplatz glitten. Wir liefen auf einen Hügel in der Nähe um mehr von den Ballons zu sehen, die verteilt über das ganze Tal glitten. Nach dem Frühstück fuhren wir eine Tour über Avanos und andere bekannte kleine Dörfer, die uns der Campingpatz Besitzer empfohlen hat. An einen Aussichtpunkt in einem teuren Restaurant bekamen wir sogar Tee geschenkt. Am Nachmittag genossen wir den Schatten im Ort und abends gings nochmal mit dem Motorrad in die südlicheren Dörfer. In Ushisar stiegen wir auch auf die Höhlenburg. Die Aussicht von dort oben ist gigantisch. Auch von unten haben wir den durchlöcherten Berg bei einen Cay eine Zeitlang betrachtet. Am Abend gingen wir essen in einem der vielen Restaurants mit Dachterrasse und genossen lang die abendliche Stimmung und die Aussicht über das gut beleuchtete Tal.



Wir haben uns vorgenommen, am nächsten Tag um 5Uhr aufzustehen und oben zur Aussichtsplattform zu laufen um von dort das Spektakel zu betrachten. Wir stehen also um 5Uhr auf und laufen los ohne Kaffee zu trinken, denn einige Ballons waren schon in der Luft und wir wollen nichts verpassen. Der Aufstieg zur Plattform war anstrengend, vor allem weil unser Kreislauf noch nicht auf dem richtigen Level war. Aber das schaffen wir auch und kommen rechtzeitig hoch. Die Aussicht ist wirklich gigantisch, die Sonne hat es noch nicht ganz über den Horizont geschafft und das Licht war einzigartig. Es waren einige Menschen da, aber wir genießen trotzdem die Aussicht. Wir holen uns ein heißen Cay und machen einige Bilder um uns später noch besser an solche Momente erinnern zu können. Noch schöner wäre gewesen, wenn auch wir mit einem Ballon geflogen wären, aber 500€ sind für uns total übertrieben und wir verzichten aus Prinzip auf solche überteuerten Erlebnisse. Mit der Summe können wir locker einen halben Monat in Tadschikistan oder der Mongolei verbringen.



Von Kappadokien wollen wir heute nach Malatya fahren. Dafür müssen wir ziemlich Kilometer machen, aber wir sind ja schon früh aufgestanden um die Ballons zu beobachten. Danach haben wir schnell gefrühstückt, unser Zelt abgebaut und sind losgefahren. Die Landschaft war sehr schön, Schneebedeckte, grüne und trockene, steinige Berge wechselten sich ab. Nach über 400km kommen wir am Nachmittag müde und total verschwitzt in Malatya an und finden relativ schnell ein gutes Hotel mit Innenhof für unseren Motorräder. Wir duschen schnell und gehen noch gleich ein bisschen spazieren, wir wollen auch noch was essen in der Stadt. Erst haben wir uns so richtig mit Reis, Bohnen, Salat, Brot und Adana Kebab vollgefressen und später haben wir Süßgebäck und eine Art Baklava zu unseren Einkauf von der Verkäuferin geschenkt bekommen. Die Türken passen schon auf, dass wir ja nicht verhungern in ihrem Land =))



Dark Canyon

Wir wollen heute eine besondere Schlucht besuchen und zwar den so genannten Dark Canyon. Es ist eine sehr spektakuläre Schlucht am Fluss Euphrat und Dark weil er durch viele Tunnels geht, die nicht beleuchtet sind und teilweise mit riesigen Wasserpfützen. Wir fahren also aus Malatya los und gleich am Morgen werden wir wieder an einem Militär Check Point angehalten. Sie waren aber sehr nett und neugierig und sie bestanden darauf dass wir eine kurze Pause machen und einen Cay trinken (trotz Ramadan!). Der Chef persönlich bestellte Cay für uns und wir wurden umgehend bedient. Alle waren, wie gesagt sehr nett, aber sprachen kaum bis gar kein Englisch. So konnten wir nicht viel über uns sagen, was sie sehr interessiert hat und wir erführen auch nicht viel von ihnen. Der Kommandant trank natürlich keinen Tee - er fastete wie alle anderen auch. Wir fahren weiter auf immer kleineren Straßen und wir erreichen den Fluss Euphrat. Die Landschaft ist wirklich schön und kaum bis gar kein Verkehr. Das gefällt uns sehr. Am Anfang war die Straße asphaltiert und dann wurde sie immer enger, auf einer Seite Felsen und auf der anderen Seite der direkte Blick zum Abgrund in den Fluss. Dann hörte der Asphalt auf und ging teils durch große Pfützen oder losen Schotter weiter. In den Tunnels waren riesige Pfützen und es gab manchmal Öffnungen in der Tunnelwand zum Fluss raus. Die Lichtstimmung in den Tunnels drin ist einzigartig und für uns ein echtes Erlebnis. Wir machen viele Pausen und schießen natürlich auch viele Bilder. Irgendwann hörte der Spektakulärsten Teil des Canyons auf und wir kamen wieder auf Asphalt. Was für ein Abenteuer war das? Ein absoluten Highlight. Wir fahren noch einige Stunden bis wir eine größere Ortschaft erreichen und suchen uns ein einfaches Hotel mit Garage, das wir mit etwas Mühe aber doch finden. Die Hotelbesitzerin hatte lange in Deutschland gelebt und ist seit einigen Jahren in der Türkei gezogen. Der Ort war nichts besonderes und wegen des Ramadan auch nicht sonderlich belebt.



Die gefährlichste Straße der Welt

Wir fahren am nächsten Tag weiter Richtung Bayburt und passieren Erzincan. Letztes Jahr haben wir dort Halt gemacht aber dieses mal haben wir was anderes vor und fahren direkt nach Bayburt. Die Landschaft war toll, etwas bewölkt aber kein Regen und in Bayburt fanden wir nach mehreren Versuchen nur ein für uns zu teures Hotel, ohne Garage, nur mit einem Parkplatz vor dem Hotel. Wir beißen halt in den sauren Apfel und nehmen aufgrund mangelnder Alternativen das Zimmer, wir bekommen aber doch einen kleinen Preisnachlass. Der Besitzer ist nett und versteht, dass wir auf der Durchreise sind und kein großes Luxus brauchen. Am Abend gingen wir aber nicht mehr essen und holten uns was aus dem Supermarkt und aßen einfach in unserem Zimmer. Am nächsten Morgen werden wir beim Frühstück von der Vielfalt an Leckereinen fasst erschlagen. Dieses Hotel wird uns in Erinnerung bleiben.

Wir wollen dann von Bayburt über eine sehr berühmte Straße die Berge überqueren und unten am Meer raus kommen. Wir wollen heute über die D915 nach Of fahren, weil diese Straße eine wunderschöne und zugleich gefährliche Straße sein soll. Ob es wirklich so ist wollten wir dann sehen. Die Straße fängt in Bayburt an und endet an der Schwarzmeerküste und der heftigste Teil ist quasi die Passstraße und die Abfahrt, die fast bis zu der Schwarzmeerküste nicht asphaltiert ist. Inzwischen wurde eine alternative gut ausgebaute Straße gebaut, weil die alte Pass Straße zu gefährlich war und so für durchfahren nicht praktikabel. Aber wir wollen trotzdem die alte Strecke nehmen. Zuerst gings auf kleinen Straßen, über sanfte Hügel und kleine Dörfer langsam hoch, dann gings immer steiler hoch durch Bergdörfer, wo man nur noch Viehzucht betrieben kann. Und gleich waren wir schon auf über 2000hM und die ersten Schneefelder waren zu sehen. Es wurde immer kälter und der Wind war heftig. Die Schneefelder waren dann immer größer und die Straße war sehr aufgeweicht, aber bis jetzt haben wir nichts Gefährliches festgestellt. Ob es noch kommt? Bald sind die Schneefelder riesig groß und wir fahren an einer 4 Meter hohen Schneewand entlang. Das kann nicht gut sein, denn meines Wissen soll die Straße noch viel weiter hoch gehen. Und schon gings nicht mehr weiter, das Schneefeld, das die Straße blockierte war riesig und dann folgten noch weitere.



Die Straße, auf die wir weiter mussten sah man in der Ferne. Auf der andere Seite des Tales haben wir auch einen Weg gesehen, der auch in die richtige Richtung ging aber da waren Bauarbeiter und Maschinen und wir mussten einen ziemlich wilden Bach durchqueren. Also fahren wir ein paar Kilometer zurück und versuchen es dort. Wenn das nicht ginge hätten wir immer noch zurückfahren können. Beim Bach angekommen haben wir ein bisschen gezögert denn es war doch sehr steinig und ganz schön viel Wasser. Ich bin dann aber doch mit die beiden Motorräder ohne Probleme drübergefahren. Kurz danach waren wir bei den Bauarbeitern und die haben uns erstmal auf Französisch erklärt, dass wir wohl weiterfahren können. Aber dann sind Soldaten aufgetaucht und nachdem sie es mit ihrem Vorgesetzten abgeklärt haben, wurden wir doch nicht weitergelassen, denn es sei zu gefährlich. Macht nichts. Wir haben uns dann freundlich verabschiedet und sind einfach zurück gefahren bis wir in einem Dorf angekommen sind. Dort haben uns dann die Leute erklärt, wie wir weiterfahren müssen, und so sind wir gefahren, zwar nicht mehr auf der berühmten Straße aber immer im selben Tal mit dem selben, faszinierenden Panorama.



Es ging ewig weiter hoch und runter, auch durch Schneefelder, der Weg war so gut, dass wir den Ausblick beim Fahren genießen konnten. Wir sind quasi auf die anderen Talseite Richtung Schwarzmeer gefahren. Weiter unten haben wir die ersten Bergdörfer erreicht und dort habe ich interessante Sachen entdeckt, wie zum Beispiel wie Dung als Brennmaterial getrocknet und gelagert wird oder ein verlassenes Haus, das schon fast verfallen war oder den Dorffriedhof. Vermutlich sind die Steinhaufen am Wegesrand auch Gräber von nicht sehr wohlhabenden Dorfbewohnern. Leider können wir uns mit den Leuten nicht verständigen denn die hätten uns bestimmt interessante Geschichten über das Berg Leben erzählt. An einem Haus kommt ein Kind raus, um die Motorräder zu bestaunen. Wir halten an und verschenken unser erstes Spielzeugauto (wir hatten einige von diesen kleinen Autos als Geschenke mitgenommen).

Dann ging es immer steiler Berg ab, wir haben wieder die Baumgrenze erreicht, die Temperatur wurde milder. Weiter unten war der Weg immer steiler und schlechter denn der Untergrund war sehr lose und wir hatten ziemlich damit zu kämpfen, unser Gleichgewicht zu halten. Scharfe Kurven und kaum Grip auf dem losen Schotter. Die haben glaube ich kurz vorher die Straße mit einem Pflug geebnet und sie war noch nicht festgefahren. Wir haben noch eine Pause im Wald gemacht denn es war wieder schön warm und sehr ruhig. Weil wir im Mai dort waren und Frühling herrschte, haben wir viele schöne Wildblumen entdeckt. So viele Blumen im Wald haben wir noch nie gesehen und gerochen.

Unten im Tal angekommen, haben wir uns gefreut, dass wir die Umleitung von der gefährlichsten Straße der Welt überlebt haben und dass wir die steile Abfahrt ohne Umfaller gemeistert haben. Es war wieder ein richtig abenteuerlicher Tag mit vielen Highlights, die uns in Erinnerung bleiben werden. Mit der Straße bleibt uns eine Rechnung offen. Gleich haben wir die Asphalt Straße erreicht, die uns ziemlich schnell runter an die Schwarzmeerküste führte. Vorher haben wir uns was eingekauft, denn wir wollten unten am Meer eine richtige Pause machen. Und wo kann man sich besser nach so einem Abenteuer stärken, als unter einem überdachten Pavillon direkt am Meer? So füllen wir unsere Mägen und stärken unsere Nerven für den Grenzübergang nach Georgien, der heute noch ansteht.



Wie sind wir mit den Menschen zurecht gekommen, wie sind die Türken so?

Na, alles Tamam? Tamam. Unser Lieblingswort in der Türkei. Das Türkische "ok", "passt", "gut". Das hört man an jeder Ecke und es beschreibt sehr gut die türkische Mentalität. Offene, entspannte Menschen empfingen uns überall gastfreundlich und herzensgut. Ob Hotel-Angestellte, Taxifahrer, Verkäufer alle sind super nett und immer hilfsbereit. Oft haben wir Menschen getroffen, die schon mal in Deutschland gearbeitet haben und dementsprechend gut Deutsch sprachen. Sie freuten sich alle, dass wir deren Land besuchen und wollten von uns genau wissen, wie uns die Türkei gefällt. Wir fühlten uns vom ersten Cay an willkommen bei diesen Menschen.


Wie hat uns die Türkei gefallen?

Wir finden die Türkei sehr spannend und gerade als Motorradreisende sind wir der Meinung dass man in der Türkei noch viel entdecken kann, was sich durchaus wie ein Abenteuer anfühlt. Gerade der Kontakt mit den Menschen, ist allein ein Erlebnis und würde vielen gut tun um einige Vorurteile abzubauen, die wir aber zum Glück gar nicht hatten. Der kulturelle Unterschied zu Mitteleuropa ist immens und so in der Art in unserer direkten Nachbarschaft nicht zu erleben. Außerdem ist die Landschaft spannend, die Straßen gut zum Motorradfahren, der Verkehr außerhalb der Großstädte hält sich in Grenzen und das Essen natürlich super lecker. Natürlich gibt es im ganzen Land wunderbare Landschaften und Orte zu entdecken, aber der Osten hat uns besonders in seinen Bann gezogen. So bergig, so ursprünglich, so wild und schön. Der Teil des Landes ist besonders beeindruckend und gibt einen Vorgeschmack zum Iran (kulturell) und Tadschikistan (landschaftlich). Haben wir schon gesagt dass uns die Türkei sehr gefallen hat?



Was würden wir uns beim nächsten mal anschauen?

Wie schon erwähnt hat uns der Osten des Landes besonders gefallen. Aber das soll nicht heißen dass wir den Westen gern überspringen würden, nur würden wir uns im Westen mehr auf die Küste konzentrieren und Orte besuchen, von denen wir inzwischen viel gehört haben oder die uns empfohlen wurden. Aber wir werden auch einfach mal so fahren und selbst entdecken was dieser Teil des Landes zu bieten hat. Beim nächsten Mal werden wir uns insbesondere auf den Osten und Süd-Osten konzentrieren, weil wir davon viel gehört haben und dieser Teil des Landes viel zu bieten hat. Auch den äußerste Süden nahe der Syrisch - Irakische Grenze wollen wir erkunden sofern wir von den strengen Militärkontrollen überhaupt in Ruhe gelassen werden. Auch der Teil nahe der Iranisch - Armenische Grenze wartet noch darauf von uns erkundet zu werden. Es ist Fakt, dass die Türkei sehr groß ist, gleich doppelt so groß wie Deutschland und nicht gerade in der Nachbarschaft. Für ein zwei Wochen Urlaub ist Italien geeignet aber die Türkei ist einfach zu weit, man braucht viel Zeit um erst mal dort hin zu kommen. Man bräuchte mindestens drei Wochen, idealerweise vier oder mehr. Auch bei drei Wochen wird es knapp und so bleibt leider der Osten des Landes für die meisten Motorradreisenden aus Mitteleuropa ein weißer Fleck auf der Karte. Auch hat in den letzten Jahren Georgien einen Hype erlebt und viele sind dorthin gefahren und weil die Zeit immer knapp ist, fahren die meisten einfach nur durch und sehen nicht viel von der Türkei. Wir möchten für das nächste mal uns so viel Zeit wie möglich organisieren und alles entspannt erkunden.



Warst du schon mal in der Türkei?

Wir waren insgesamt vier mal in der Türkei und planen für die Zukunft öfter dort hin zu fahren. Wie sieht es bei euch aus? Wart ihr schon mal in der Türkei? Hat es euch dort gefallen? Plant ihr nochmal dort hin zu fahren? Was hat euch am meisten gefallen und was würdet ihr euch beim nächsten mal gerne anschauen? Habt ihr sogar Tipps für uns , was wir uns unbedingt noch anschauen sollen? Schreibt uns einen Kommentar oder eine Nachricht was wir auf keinen Fall verpassen dürfen.


Karte mit der gefahrenen Route


Link zum Kurviger Routenplaner:


Die Route als GPX zum Download:

Türkei 2019 Edirne-İstanbul - Sarp
.gpx
GPX herunterladen • 2.26MB

Zu diesem Blogbeitrag könnt ihr euch zwei Videos anschauen, hier die Links zu den Videos:

Falls euch interessiert was wir ein Jahr davor (2018) in der Türkei erlebt haben, könnt ihr es einfach in diesen Beitrag lesen. Auf ins Abenteuer 2018


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Im nächsten Beitrag geht es um Georgien. Bleibt dran, Danke fürs Vorbeischauen und mach's gut.



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